Sie führten auf, die Kinder kreischten vor Freude, sie bekamen Applaus. Klatschen alle Menschen der Welt in die Hände?

Sie warteten. Auf Nachricht von Bijan. Sarina spielte in der Aufführung nicht mehr ihre eigene Geschichte, sondern sah nur noch zu. Das war auch ihre Geschichte. Den Anderen zusehen auf ihrer machtlosen Reise. Aban und Jin. Jin und Aban. Saltos und Messer. Anekdoten von Karim. Musik. Warten. Sie wusste nicht, dass man so lange warten kann.

Also wartete Sarina. Wie ein Wüstenkadaver auf Regen. Man kann dennoch nicht ewig warten. Das Warten geht über in ein: Erstarren. Sie sah Bijan kein einziges Mal. Oft hatte sie den Impuls, zu seinem Haus zu rennen, sich auf den Boden zu werfen und zu schreien: Hilf mir, weißt du nun etwas? Wusstest du immer schon etwas? Doch sie hatte die Kraft nicht mehr. Irgendwann wartet man in seinem Bett liegend auf seinen Tod und geht nicht mehr zum Arzt. Weil auch der Arzt nur noch wartet.

Der erste Tag verging. Der zweite. Der dritte. Ihr war, als sei sie eine Ewigkeit in diesem Dorf, als existiere es seit dem Anbeginn der Zeiten und sie mit ihm. Karim, Aban und Jin waren nur Schemen, Gestalten, Statisten in einem Stück, das ein Fremder, ein Teufel inszeniert hatte. Sie war die Hauptfigur. Die dennoch nicht einen Ton sagte.

Dann, am vierten Tag kam eine Frau zu ihr: “Bijan möchte dich sprechen. Dich allein.“

In Sarina lief eine Maschine an. Als bringe ein verrosteter alter Diesel-Motor ihr Herz, ihre Lungen, ihre Muskeln in Gang. Sie folgte der Frau in Bijans Haus.